Erzähltheorie

    Erzähltheorie (Erzählforschung) ist eine unterdisziplinäre Methode der Geisteswissenschaften, Kulturwissenschaften und Sozialwissenschaften.Erzähltheorie oder auch „Narratologie“befasst sich mit jeder Art erzählenden Textes, von der erzählenden Literatur (Epik) über Geschichtsschreibung bis hin zu Interviews, Zeitungsartikeln oder Witzen. . Als Unterdisziplin der allgemeinen Literaturwissenschaft will die Erzähltheorie auf folgende Hauptfrage antworten: Wie wird ein literarischer (epischer) Text erzählt? Damit stellt sie Form und Inhalt des erzählenden Textes infrage und unterscheidet sich dabei von der eher historisch (deskriptiven) Literaturgeschichte und der v. a. wertenden Literaturkritik.


Wichtige Theoretiker der Narratologie:
- Gérard Genette
- Claude Lévi-Strauss
- Roland Barthes
- Roman Jakobson
- Juri Lotman
- Tzvetan Todorov
- Paul Ricoeur

1- Analysekategorien nach Genette:


Der Erzählforschungsansatz nach dem französischen Literaturwissenschaftler Gérard Genette bezieht sich nur auf Epik und kennt drei Hauptebenen: Zeit, Modus der Erzählung und Stimme des Erzählers.


Zeit:
Die Zeitebene ist nach Genette in drei Kategorien aufgegliedert: Ordnung, Dauer und Frequenz.
1-    Ordnung: Sie untersucht das Zeitverhältnis zwischen der Erzählung und der Geschichte selbst (die chronologische Reihenfolge). Daher werden nach Genette folggende Fälle der Anachronie angenommen:
. Analepse: Zeitsprung in die Vergangenheit (Vergangenes wird nachträglich erwähnt). Analepse kann extern, intern, kompletiv oder repetitiv sein
. Prolepse: Zeitsprung in die Zukunft (Antizipation)
. Achronie(Syllepse): die chronologische Reihenfolge ist nicht rekonstruierbar
. Ellipse: Sie ist eine Auslassung von Ereignissen in der Erzählung, dabei handelt es sich um Beschleunigung des Erzähltempos.
2-    Dauer:Untersuchung von Erzählzeit und erzählter Zeit. Man unterscheidet:
- Zeitdehnung: Erzählzeit ist größer als Erzählte Zeit.
- Zeitraffung: Erzählzeit ist kleiner als Erzählte Zeit (Abkürzung).
- Zeitdeckung: Erzählzeit ist genauso lang wie Erzählte Zeit(z.B. bei Dialogen).


3-    Frequenz:
. Singulativ: Was einmal geschieht, wird einmal erzählt.
. Repetitiv (mehrfache Wiederholung): Was einmal geschieht, wird mehrmals erzählt.
. Iterativ : Was mehrmals geschieht, wird einmal erzählt.
Modus der Erzählung:

Modus:


Distanz und Mittelbarkeit:
-    Narrativ: Mit Distanz (mittelbar, haple diegesis, telling)
Erzählte Rede (Bewusstseinsbericht, erzählte Rede)
-    Transponierte Rede: steht, was den Grad an Distanz bzw. Mittelbarkeit betrifft, zwischen der dramatischen und der narrativen Rede. Die transponierte Rede umfasst die indirekte Rede und die erlebte Rede.
-    Dramatisch: Ohne Distanz (unmittelbar, mimesis, showing)
. direkte autonome Figurenrede (ohne verbum dicendi)
. direkte Figurenrede (mit verbum dicendi, z. B. „sagte er...“)
. Bewusstseinsstrom
. Gedankenzitat (mit verbum credendi, z. B. „dachte ich...“)
. Innerer Monolog

Fokalisierung:
•    Nullfokalisierung: Der Erzähler weiß mehr als die Figur.
•    Interne Fokalisierung: Der Erzähler weiß genauso viel wie die Figur.
•    Externe Fokalisierung: Der Erzähler weiß weniger als die Figur.


Stimme/Erzähler: Wer spricht eigentlich?
1-    Narrationszeit:
•    spätere Narration: die klassische Position der Erzählung in Vergangenheitsform
•    frühere Narration: prädiktive Erzählung, im Allgemeinen im Futur, kann aber auch im Präsens vorgetragen werden
•    gleichzeitige Narration: Erzählung im Präsens, begleitet die Handlung simultan
•    eingeschobene Narration: zwischen die Momente der Handlung eingeschoben
2-    Person (Homodiegetisch / Heterodiegetisch)
•    Homodiegetisch: Der Erzähler ist Teil der Diegese (der erzählten Welt), ist aber nicht die Hauptfigur. Autor ≠ Erzähler = Figur
•    Heterodiegetisch: Der Erzähler ist kein Teil der Diegese. Autor ≠ Erzähler ≠ Figur
•    Autodiegetisch: Der (homodiegetische) Erzähler ist zugleich die Hauptfigur, der Erzähler erzählt gewissermaßen seine eigene Geschichte. Autor ≠ Erzähler = Protagonist

3-    Ebene (Diegetisch / Extradiegetisch)
Der extradiegetische Erzähler ist der Erzähler, der die äußerste Handlung (Rahmenerzählung, wenn es eine Binnenerzählung gibt; diegetische bzw. intradiegetische Erzählung bei Genette) erzählt. Kommt in dieser Erzählung wieder ein Erzähler vor, so handelt es sich um einen intradiegetischen Erzähler, das, was er erzählt, ist eine metadiegetische Erzählung (Binnenerzählung). Ein metadiegetischer Erzähler erzählt eine metametadiegetische Erzählung usw.

Das Typologische Modell der Erzählsituationen nach Franz K. Stanzel unterscheidet:
1.    Auktoriale Erzählsituation: Es gibt einen allwissenden Erzähler, welcher sich jedoch nicht neutral zur Handlung verhält und sich immer wieder kommentierend und bewertend in die Handlung einmischt.
2.    Personale Erzählsituation: Erzählung aus Sicht einer bestimmten Figur.
3.    Ich-Erzählsituation: Es wird in der ersten Person erzählt.

Quelle: de. wikipedia.org
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Siehe auch: Erzählperspektiven und Erzählweisen

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Datum der letzten Aktualisierung: 31/10/2014