Rhetorische Figuren

Was ist Rhetorik?


Rhetorik ist die Kunst, Unverständliches so feierlich vortragen zu können, daß jeder einzelne Zuhörer meint, der Nachbar verstehe alles, bloß er selber sei zu dumm, und damit dies die anderen nicht merken, tue er am besten so, als habe auch er alles verstanden“ «Manfred Rommel»

(griechisch rhetorike techne: Redekunst oder Redetechnik). Sie ist dabei die Theorie der Überzeugung und Beeinflußung. Mit Hilfe der rhetorischen Regeln (Redefiguren) kann ein Redner (Autor) das Publikum (Leser) beeinflußen, überzeugen oder dessen Meinung ändern. Daher entschließt man, dass die Rhetorik nicht nur die Schönheit und die Verdeutlichung einer Aussage infrage stellt, sondern auch das Auffinden des Stoffes bis hin zu einem effektiven Vortrag.
  Die Rhetorik stellt Fragen: Wie schön kann eine Aussage aussehen? Inwiefern kann eine Aussage den Leser (Empfänger) beeinflußen und seine Einstellung ändern? Wie anregend und überzeugend liest sich eine Aussage?
Damit ist die Rhetorik ein überaus bedeutender Maßstab zur Rezeption und Beurteilung literarischer Werke wie Romane, Poesie usw…


Rhetorische Figuren:


Akkumulation: (lat. accumulo "anhäufen") Um stärkere Bildhaftigkeit zu erreichen, werden anstelle des Oberbegriffs mehrere Unterbegriffe aufgezählt.Beispiel: "Nenn's Glück! Herz! Liebe! Gott!" - "Nun ruhen alle Wälder, Vieh, Menschen, Städte' und Felder." - "Frauen, Männer, Kinder, Alte, Junge - jeder wollte kommen."


Alliteration: (von lateinisch "zu Buchstabe") Die A. ist ein Begriff zur Bezeichnung des gleichen Anlauts der Stammsilben aufeinanderfolgender Wörter. Es soll eine Wirkung in Art einer Koordination von inhaltlich zusammengehörender Begriffen erzielt werden. Bsp: "Land und Leute", "Haus und Hof"


Anapher: (von griechisch "das Hinauftragen, die Beziehung") Es ist eine häufig verwendete Figur, bei der ein Wort oder eine Wortgruppe am Beginn aufeinanderfolgender Sätze wiederholt wird. Die Anapher eignet sich zur Betonung einer Aussage oder zur Hervorhebung eines Aussageschwerpunktes. Beispiel: "lies keine Oden, mein Sohn, lies die Fahrpläne" (H.M.Enzensberger, "ins lesebuch für die oberstufe", 1957)


Antithese: (von griechisch "Gegensatz") Es ist die Gegenthese zu einer These (Behauptung, Aussage). In der Rhetorik bedeutet Antithese die Kombination in direktem Gegensatz stehender Begriffe, Gedanken, Wörter usw. Beispiel: "Im Sommer ist mir kalt, im Winter ist mir heiss"


Chiasmus: (von griechisch, nach der Gestalt des griechischen Buchstabens Chi) Eine Stilfigur, die eine kreuzweise Stellung von vier aufeinander bezogenen Satzgliedern nach dem Schema a b – b a, so dass sich das erste und vierte und zweite und dritte Satzglied entsprechen. Beispiel: "Ich weiss nicht, was ich will, ich will nicht, was ich weiss."


Ellipse: (von griechisch "Mangel") Dies ist eine Figur, die die Auslassung der für das Verständnis einer Aussage nicht unbedingt nötigen Satzglieder. Ellipsen sind häufig in der Umgangssprache geläufig. Beispiel: "zwei zu fünfzig" (zwei Briefmarken im Wert von 50 Pfennig) oder "je früher desto besser"


Enjambement: (frz. enjamber "überspringen, überschreiten") Ein Enjambement oder auch Zeilensprung ist ein lyrisches Stilmittel, das das Übergreifen des Satzes auf die nächste Verszeile bezeichnet (Zeilensprung bzw. Versabbrechung). Mit dem Satz wird auch der Sinnzusammenhang über die Versgrenze weitergeführt. - Beispiel: Andreas Gryphius, Tränen in schwerer Krankheit (1640)


Epipher: (gr. epipherein: nachtragen) Diese Figur, auch Epipher genannt, ist das Gegenteil der Anapher und meint eine Wiederholung, wo das zu betonende Wort immer am Ende von Sätzen oder Satzteilen steht. - Beispiel: "Mir geht es gut. Meinem Vater geht es gut. Dem Rest meiner Familie geht es gut. Allen geht es gut." - "Doch alle Lust will Ewigkeit-, will tiefe, tiefe Ewigkeit!" (F. Nitzsche, "Also sprach Zarathustra")


Euphemismus: (von griechisch "Unangenehmes mit angenehmen Worten sagen")
Es ist die beschönigte Beschreibung von Unangenehmen, Unheildrohenden, moralisch Anstößigen und von Tabus. Beispiel: "das Zeitliche segnen" für sterben, häufig verwendet in der Propagandasprache


Hendiadyion: (von griechisch "eins durch zwei") Eine Verknüpfung zweier sinnverwandter Wörter (meist Substantive), die eine Verstärkung hervorrufen. Beispiel: "Beistand und Hilfe" oder "Hab und Gut", "Leib und Seelen"


Hyperbaton: (griechisch "das Umgestellte") Ein Satz oder eine zusammen- gehörende Wortgruppe, die durch eingeschobene Satzteile getrennt werden und von damit von der üblichen Satzstellung abweichen. Beispiel: "Der Worte sind genug gewechselt" (Goethe, Faust 1)


Hyperbel: (griechisch "über ein Ziel hinauswerfen, übertreffen) Eine extreme, im wörtlichen Sinne oft unglaubwürdige Übertreibung, die der Charakterisierung eines Objektes einen besonderen Nachdruck verleihen soll. Beispiel: "zahlreich wie Sand am Meer" oder "mit dem Telefonmast winken"


Ironie: (griechisch " erheuchelte Unwissenheit, Verstellung") Eine Redewendung, bei der das Gegenteil gemeint ist oder auch eine unwahre Behauptung, die durchblicken läßt, dass das Gegenteil gemeint ist. Beispiel: "Du bist mir ein schöner Freund"


Klimax: (griechisch "Leiter, Treppe") Eine in sich steigernde Reihung von einzelnen Wörtern, Satzgliedern oder Sätzen. Das Gegenteil ist der Antiklimax, also eine Steigerung zum schwächeren Ausdruck hin. Beispiel: "Veni, vidi, vici" oder "Tiefer, breiter, schneller"


Litotes: (griechisch "Einfachheit, Schlichtheit") Eine untertreibene Ausdrucksweise, bei der ein Begriff durch die Verneinung des Gegenteils hervorgehoben wird. Beispiel: "nicht unbekannt = (sehr) bekannt" oder " nicht übel = (sehr) gut oder auch "Er war nicht gerade ein Held"


Metapher: (griechisch "die Übertragung") Hier werden die Wörter nicht in der eigentlichen Bedeutung, sondern in einer übertragenen Bedeutung verwendet. Die Sprache springt hierbei gleichsam von einem Vorstellungsbereich in einen anderen. Beispiel: "Das Feuer der Liebe" oder "Ausgesetzt auf den Bergen des Herzens"


Metonymie: (griechisch "Namensvertauschung, Umbenennung") Hier wird ein Begriff durch einen anderen ersetzt, der in unmittelbaren zeitlichen, räumlichen oder ursächlichen Zusammenhang mit dem anderen steht. Beispiel: "Hüte deine Zunge" oder "Moskau hat noch nicht geantwortet"


Oxymoron: (griechisch "scharfsinnige Dummheit") Eine Verbindung zweier sich dem Wortsinn nach widersprechende Begriffe. Beispiel: "bittersüß", "traurigfroh" oder " kalte Glut", " jauchzender Schmerz"


Paradoxon: (griechisch " Unerwartetes") Bezeichnung für eine scheinbar unsinnige Behauptung, oft in einer Form, die bei genauer gedanklicher Betrachtung eine höhere Wahrheit zeigt. Beispiel: "Das Leben ist der Tod, der Tod ist das Leben"


Parallelismus: (griechisch "nebeneinanderstehend") Eine Wiederholung derselben Wortreihenfolge bzw. eine übereinstimmende Konstruktion in zwei oder mehreren aufeinanderfolgenden Sätzen, Satzgliedern oder Versionen.
Beispiel: "Schnell lief er hin, langsam kam er zurück" oder "Als Kind redete ich wie ein Kind, dachte ich wie ein Kind, urteilte wie ein Kind"


Paranomasie: (griechisch "Wortumbildung") Ein Wortspiel durch Zusammenstellen von Wörtern desselben Stammes oder von Wörtern ähnlichen Klanges. Beispiel: "betrogener Betrüger" oder "Wer sich auf den verläßt, der ist verlassen"


Periphase: (griechisch "Umschreibung") Die Umschreibung einer Person, einer Sache oder eines Begriffs durch kennzeichnende Tätigkeiten, Eigenschaften oder Wirkungen. Beispiel: "Auge des Gesetzes"


Personifikation: Die Vermenschlichung von Naturerscheinungen, von Gegenständen oder abstrakten Begriffen. Beispiel: "Gelassen stieg die Nacht ans Land"


Pleonasmus: (griechisch "Überfluss") Meist überflüssiger erklärender Zusatz zu einem Wort oder einer Redewendung. Beispiel: "weisser Schimmel "


Rhetorische Frage: Scheinbare Frage, um einer Aussage besonderen Nachdruck zu verleihen. Beispiel: "Machen wir nicht alle Fehler ?"


Symbol: Sinnbild, das über sich hinaus auf Allgemeines verweist. Meist ein konkreter Gegenstand, in dem ein allgemeiner Sinnzusammenhang sichtbar wird. Beispiel: "Kreuz" als Symbol für den christlichen Glauben


Synästesie: Verbindung unterschiedlicher Sinneseindrücke. Beispiel: "Durch die Nacht die mich umfangen"


Synekdoche: Ein Teil steht für das Ganze. Beispiel: "Klinge" für "Schwert"


Vergleich: Verknüpfung zweier semantischer Bereiche durch Hervorhebung des Gemeinsamen. Beispiel: "Achill ist stark wie ein Löwe"


Zeugma: Ungewohnte Zuordnung verschiedener Satzglieder, meist des Prädikats, zu unterschiedlichen Objekten. Beispiel: "Er schlug die Stühl´und Vögel tot."


Quelle: Susanne Albers (www.susannealbers.de/03philosophie-rhetorik.html)

Download file: RhetoRheto (18.58 KB)

Zusammenfassung: Hassen Dif (Universität Algier II)

Noch keine Rezension. Geben Sie die erste Bewertung ab!

Kommentare (1)

Ehmet
  • 1. Ehmet | 27/10/2014
Vielen Dank für den Beitrag!

Kommentar verfassen

Sie verwenden eine Software vom Typ AdBlock, die den auf dieser Website verwendeten Captcha-Werbeservice blockiert. Um Ihre Nachricht zu senden, deaktivieren Sie Adblock.

Datum der letzten Aktualisierung: 31/10/2014